Einsortiert unter: aus Stephi´s Sicht
wir sind seit samstag 19:50 wieder in duesseldorf. die ganze evakuierungsaktion war der reinste horror! freitag mittag nachdem wir auf dem bazar waren haben wir uns 2 std spaeter wieder auf die strasse getraut, aber nur um ins naechstgelegene internetcafe zu laufen. als wir unsere e-mails abgerufen haben wurden wir durch unsere familien darauf aufmerksam gemacht, dass ersatzmaschienen aus europa nach mumbay geschickt wurden um uns touristen schnellstmoeglich aus dem krisengebiet zu evakuieren, bevor der flughafen gesperrt werden wuerde. unser regulaerer flug waere am montag -also 3 tage spaeter gegangen- doch wir hatten solche angst vor inneren unruhen, als auch davor, nicht mehr nach hause fliegen zu koennen und dadurch weiteren terroranschlaegen ausgesetzt zu sein! wir riefen sofort im deutschen konsulat in mumbay an und uns wurde gesagt das ein flug nach paris am abend um 21 uhr gehen wuerde. wir sagten sofort zu den flug zu nehmen und die frau im konsulat meinte das sie uns in einer std. in unserem hotel zurueckrufen wuerde um uns alle auskuenfte ueber den flug etc. zu liefern. philipp und ich liefen zum hotel zurueck, packten in panik unsere sachen und warteten auf den heissersehnten rueckruf der frau aus dem konsulat. als sie sich nicht von alleine meldete, rief philipp persoenlich nochmal im konsulat an. ihm wurde gesagt, das wir mit einem taxi zum konsulat selbst hinfahren sollten um “formalitaeten” auszufuellen. ehrlich gesagt, wir hatten keine ahnung wo das konsulat in mumbay lag und da uns kein taxifahrer in den letzten tagen irgendwohin mitnehmen wollte (da wir weisse sind) meinte die frau, das sie einen chauffeur um 18 uhr zu uns schicken und der uns zum konsulat bringen wuerde. wir, mittlerweile beide mit provisorisch gepackten rucksaecken auf dem ruecken warteten also auf den chauffeur… als er dann endlich mit seinem dicken mercedes vor dem hotel parkte, uns abholte und uns zum konsulat fuhr, fiehl uns auf, dass er gradewegs nach colaba (dort wor sich zu dem zeitpunkt noch immer die terroristen aufhielten) reinfuhr. anfangs dachten wir beide das doch wenigstens die scheiben des autos geschwaerzt waeren um uns vor blicken zu schuetzen, aber dem war dann doch nicht so. als wir dann schliesslich im konsulat waren wurden wir recht nett empfangen, uns wurde wasser und psychologische betreuung angeboten doch wir beide wollten nur schnellstmoeglich das formular ausfuellen und dann zum flughafen. im konsualt selbst trafen wir auf einen anderen deutschen der mit uns in der maschiene nach paris sitzen wuerde. als wir grade dabei waren die “formaltaeten” (im grunde nur anschrift in deutschland und unterschrift abzuliefern – fuer den falle das evt kosten auf uns zukommen wuerden) auszufuellen viel nebenan ins nahe gelegene taj mahal wieder eine bombe. “das geht die ganze zeit schon so” hat die konsulatfrau uns nur gesagt. sie schrieb uns die adresse eines hotels auf das nahe am flughafen liegt und wo sich die anderen passagiere in den naechsten std. sammeln wuerden, die ebenfalls mit uns in der militaermaschiene nach paris sitzen wuerden. dann sagte sie:”jetzt gehen sie nach unten und nehmen sich ein taxi was sie zum hotel faehrt, dessen adresse ich ihnen grade aufgeschrieben habe! ich schicke ihnen unseren chauffeur mit runter, damit er ihnen ein taxi besorgt, da ja viele taxifahrer keine weissen mehr mitnehmen wollen.” wir gingen also runter auf die strasse und uns wurde ein taxifahrer besorgt- der wirklich, man hat es ihm angesehen, nicht wirklich grosses vergnuegen hatte ausgrechnet uns als weisse irgendwo hin zu fahren.die 17 km zu diesem flughafen hotel waren schrecklich! an jeder ampel denkt man sich:`jetzt koennte jeder x-beliebige hier seine knarre ziehen und dir die birne wegblasen ohne das du auch nur die chance einer flucht hast!´ uns kamen immerwieder ambulanzen -und polizeiwagen entgegen – zum glueck in die entgegengesetzte richtung. als horrorfahrt am hotel endete wurden wir von polizisten und sicherheitsbeamten empfangen. wir mussten ein provisorisch aufgebautes sicherheitsgeraet (wie man es auch am flughafen kennt) was am eingang des hotels stand passieren, bis wir hineingelassen wurden. wir wurden in einen art ballsaal gefuehrt, wo sich schon einige andere passagiere befanden. jeder passagier musste ein formular ausfuellen. wir trafen 2 maedchen aus oslo, die erst seit 2 tagen in indien waren und nun wieder nach hause fliegen mussten. 2 deutsche maedchen die wir ebenfalls dort trafen waren erst seit 3 tagen in indien und hatten vor nach 2 woechigem urlaub ihr 3 monatiges praktikum in einem hospital in der naehe von chennai anzufangen. sie beide erzaehlten uns ihre geschichte die man kaum glauben kann waere man nicht selbst danbei gewesen! beide befanden sich im cafe leopold, als die terroristen das cafe stuermten und willkuerlich um sich schossen. sie schmissen sich auf den boden und robbten schnellstmoeglich aus dem cafe, an den terroristen vorbei auf die strasse uns liefen ins taj mahal, weil dort einge wachleute am hoteleingang standen. sie rannten durch die lobby in den garten hinaus und versteckten sich unter dem gebuesch als sie die ersten schuesse im hotel hoerten. weitere touristen und inder liefen in den garten zu ihnen und versteckten sich ebenfalls unter gebueschen und hinter baeumen. eine std. verharrten sie so, bis ein angestellter kam und sie in den keller des taj mahals brachte, da es nicht lange dauern wuerde bis die terroristen sich weitere opfer suchen wuerden- wenn auch im garten! sie liefen also durch einen noteingang im gartenzaun runter in den keller und versteckten sich im waescheraum. ueberall waren noch immer schuesse zu hoeren und es wollte einfach kein ende nehmen. 2 std spaeter, als keine schuesse mehr zu hoeren waren, kam ein securitymann zu ihnen runter und sagte sie koennten nach oben kommen, alles waere nun sicher und sie koennen sich am buffet bedienen und drinks einnehmen. viele, viele von ihnen gingen nach oben in die lobby- nur die 2 maedchen, 2 franzosen und einige angestellte blieben im waescheraum. sie verharrten bis etwa 2 oder 3 uhr nacht bis sie sich nach oben trauten.
philipp und ich lernten ebenfalls einen mann kennen (den wir schon zuvor im konsulat gesehen hatten) der sich auch im cafe leopold aufhielt und die 8 min. schiesserei und granaten bis auf einige splitter im bein und blaue flecken ueberlebte.
in dem ballsaal wo wir 5 deutsche, die 2 schwedinnen, einige spanier und viele franzosen uns aufhielten wurde mittlerweile ein buffet eroeffnet, es wurden extra krisenpsychologen aus frankreich eingeflogen um uns zu betreuen und einige aetzte versorgten die verletzten. der regulaere evakuierungsflug wurde von 21 uhr auf 2 uhr nachts verlegt. philipp und ich, die 2 maedchen und ein franzose goennten uns je einnen ueberteuerten cocktail und stiessen “aufs uebeleben” an!um 24 uhr kamen 2 busse um uns zum flughafen zu fahren. am flughafen angekommen standen wir vor dem gebaeude, viele ziviele autos fuhren an unserer touristentraube von etwa 80 leuten vorbei und ich persoenlich dachte wieder:´wenn jetzt ein terrorist auf genau diesen zeitpunkt in seinem auto hier gewartet hat, dass die touristen fluechten- er haette nur eine granate in unsere traube werfen muessen und schon haette es weitere opfer gegeben!´ wieso haetten die terroristen nichts von unserem vorhaben wissen sollen, wenn schon die indische presse mittlerweile versuchte jeden von uns vor laufender kamera vor dem flughafen auszuquetschen?! der chef der franzoesischen botschaft persoenlich, der uns die ganze zeit begleitete, legte sich mit dem securitymann am einganag des flughafens an der uns einfach nicht ins gebauede hineinlassen wollte! nach etwa 10 minuten und vielen hin und her konnten wir nun endlich das gebaeude betreten. wir mussten mehr als die ueblichen sicherheitskontrollen passieren und unser flug verspaetete sich abermals um 3 stunden. um 5 uhr nacht ging dann endlich der flieger in richtung saudi arabien um zwischen zu tanken und von dort aus nach paris. in paris angekommen wurden wir von 2 männern der deutschen botschaft in empfang genommen. nachdem wir kurz die lage geschildert hatten wurden wir gefragt ob jeder von uns genug geld fuer einen weitertransport per flugzeug oder zug haette. dann wurden auf unsere kosten die flüge gebucht. philipp und ich mussten pro kopf 114€ fuer einen flug nach duesseldorf bezahlen. bis dahin mussten wir jedoch noch 6 std am flughafen warten denn unser flug ging erst abens um 18:25 uhr. in paris selbst haben wir uns trotz dessen, das wir in europa sind und somit in sicherheit nicht wirklich sicher gefühlt. bei jedem knall oder einer auffallenden person sind wir zusammengezuckt. ich persönlich war ziemlich nervös und als wir dann endlich in die maschine nach düsseldorf einsteigen konnten hab ich völlig die nerven verloren. irgendwann kann man sich nicht mehr zusammenreissen und dann kommen die erinnerungen hoch…. um 19:45uhr landeten wir in düsseldorf und wurden von unseren familien und freunden tränenüberströmt und schluchtzend empfangen. seitdem werden wir von ihnen so gut es geht abgelenkt und aufgemuntert.
ein grosses lob möchte ich hiermit an die französische botschaft aussprechen! wir mussten bis heute für keine evakuirungskosten mit der militärmaschine und auch für die fahrtkosten mit den bussen, oder für das essen aufkommen- nichts mussten wir bezahlen, das hat alles frankreich für uns übernommen! stattdessen hat das deutsche konsulat uns keinen verdammten cent zur verfügung gestellt als wir in paris ankamen! wir mussten unser letztes geld zusammenkratzen damit wir überhaupt nach deutschland kamen!


